Wer, wo, wann, was, warum?

<p>Journalistisches Schreiben ist Handwerk. Und wie bei jedem Handwerk gibt es einige Grundwahrheiten, aber viel Freiraum für Kreativität und eigene Ideen. Daher: nicht sklavisch an die Regeln halten, sondern ihr zugrunde liegendes Prinzip verstehen.</p>
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<p><strong>1. Prinzipien des Formulierens </strong></p>
<p><strong>1.1 </strong>…</p>

Journalistisches Schreiben ist Handwerk. Und wie bei jedem Handwerk gibt es einige Grundwahrheiten, aber viel Freiraum für Kreativität und eigene Ideen. Daher: nicht sklavisch an die Regeln halten, sondern ihr zugrunde liegendes Prinzip verstehen.

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1. Prinzipien des Formulierens

1.1 Kurz und prägnant:

  • Sätze sollten höchstens 12 bis 18 Wörter haben.
  • Parataxe statt Hypotaxe.
  • Nur einen Nebensatz pro Phrase.
  • Punkt statt Semikolon.

1.2 Simpel statt verzwickt:

  • „Schachtelsätze“ entpacken
  • Jedem Aspekt seinen eigenen Satz.
  • Entwirren statt Verwirren.
  • Redundanz statt Varianz!

1.3 Strukturiert und gut gegliedert:

  • Sich den Sachverhalt vorher klarmachen.
  • Sachverhalt Schritt für Schritt erklären.
  • Jeder einzelne Satz trägt Information.
  • Jedem Satz folgt eine neue Information.
  • „Zwischenmoderationen“ verwenden.
  • Trick: Gedanklich die literarisch verbotene Erzählstruktur: „Und dann und dann und dann“ verwenden, wenn es kompliziert wird.

1.4 Aktiv statt passiv

  • Immer nach dem „agens“ suchen: Wer macht was? Wer ist verantwortlich?
  • Auch Sachen und Objekte, die per definitionem passiv sind, zum Subjekt machen.
  • Passivistische Formulierungen vermeiden.

1.5 Text laut vorlesen:

  • Wo’s holpert, ist was „faul“!

2. Aufbau eines journalistischen Textes

  • Das Wichtigste nach vorn!
  • W-Fragen beantworten: Wer, Was, Wo, Wann, Wie, Warum, Woher?
  • Spätestens im dritten Satz zum Kern der Sache kommen.
  • Einstieg und Ausstieg attraktiv gestalten.
  • Wörtlich zitieren.
  • Zusammengehörendes zusammen abarbeiten (thematisch nicht springen!).
  • Einstieg und Ausstieg nach Möglichkeit als Klammer gestalten:o Anfangs-Gag am Ende noch mal konterkarieren
    o Anfangsstatement mit Endstatement verifizieren
    o Ersten Aspekt am Ende nochmals neu beleuchten
    o Fazit ziehen

3. Journalistische Konventionen:

3.1 Personen

  • IMMER mit Vorname und Nachname bezeichnen.
  • „Herr“ und „Frau“ weglassen.
  • Immer Funktion der Person nennen.
  • Altersangabe ist meist nebensächlich.

3.2 Zahlen und Maßeinheiten

  • so oft wie möglich ausschreiben.
  • „eins“ bis „zwölf“ immer ausschreiben.
  • Quadratmeter statt m2, Mikrometer statt µm.
  • Wenn möglich, keine Ziffern in Überschriften

4. Typografie

  • Bindestriche – ungleich Gedankenstriche – ungleich Spiegelstriche —
  • „Anführungszeichen“ ungleich “Hochkommata”.
  • Einschübe öfter mal – mit Gedankenstrichen – absetzen.

Doppelpunkte und Semikolon verwenden; wenn möglich (Tipp: ist kein Widerspruch zu 1.1, sondern: das lockert das sonst zu statische Schriftbild auf. Erst Hauptsätze bilden, dann den einen oder anderen Punkt durch andere Schriftzeichen ersetzen).

  • Satzzeichen kommen immer direkt hinter den letzten Buchstaben! (und nicht so ! ). Klammern auch.

5. Überschriften

5.1. Grundsätzliches

  • Meldungen immer sachlich und nüchtern.
  • Unterüberschriften immer sachlich und nüchtern.
  • Keine Ziffern, wenn möglich.
  • Keine Kommas, keine Punkte, keine Ausrufungszeichen (I)
  • Feature-Überschriften können spielerisch sein.
  • Zitate nur dann, wenn sie gut sind.

5.2 Formulierungshilfen und Ideen:

  • Das Unerwartete suchen: „Jeder dritte Bayer gegen Stoiber“
  • Scheinbare Paradoxien nutzen: „Kanzler lobt Schröder“
  • „Gegen den Strich“ bürsten: „Holzmann saniert Schröder“
  • Stabreimen: „Milch macht müde Männer munter.“

Beispiel 5 W-Fragen: Wer, Was, Wann, Wo, Wie?

Wetterdienste warnen vor Sturm in Hessen Sturm soll am Nachmittag 120 Stundenkilometer erreichen

Frankfurt/Main (dpa/lhe). Starken Sturm erwarten die Wetterdienste für Donnerstagnachmittag in Nord- und Westhessen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes und Meteomedia kann der zunehmende Südwestwind in den Kammlagen der Mittelgebirge Orkan stärke erreichen. Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Kilometer je Stunde seien möglich. Die Folgen könnten schwere Schäden an Gebäuden, herabstürzende Dachziegel und entwurzelte Bäume sein.

Beispiel 7 W-Fragen: Wer, Wann, Was, Wo, Wie, Warum, Woher (=Welche Quelle)?

Glos kündigt höhere Wachstumsprognose der Regierung an

Berlin (dpa) – Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat eine optimistische Wachstumsprognose der Regierung für das laufende Jahr in Aussicht gestellt. Sie werde sich klar über der bisherigen bewegen, sagte er der „Financial Times Deutschland“. Bisher hatte die Regierung 1,4 Prozent Wachstum für 2007 angenommen. Glos will Ende Januar im Jahreswirtschaftsbericht die nach oben korrigierte Vorhersage vorlegen. Er sagte, dass die Regierung mit ihrer Prognose vorsichtiger sein werde als viele Wirtschaftsforschungsinstitute.

Vermeiden Sie Passiv-Konstruktionen:

  • Das Bürgerhaus Dreilinden öffnet wieder. Statt: Das Bürgerhaus wird wiedereröffnet.
  • Stadtrat Müller verleiht Ehrenplakette. Statt: Die Ehrenplakette wird verliehen.
  • Grünflächenamt fällt wieder Bäume. Dies dient der Verkehrssicherheit. Statt: Bäume müssen aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden.

Vermeiden Sie nichtssagende Formulierungen:

  • Statt: „Im Rahmen der Buchmesse“ lieber: „Bei der Buchmesse“.
  • Statt „eine Vielzahl an einzelnen Dingen“ lieber: „Viele Dinge“
  • Statt „Sanierungsmaßnahmen“ lieber „Sanierung“
  • Auch substantivierte Verben sind Verben: Also: auf „ung“-Worte verzichten!

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