In 140 Zeichen alles gesagt haben

Twitter  ist keine Spielerei; wer gerne und oft twittert, lernt nebenbei das Handwerk der guten Journalistin und des guten Journalisten: In brutaler Kürze einen Sachverhalt korrekt und treffend darstellen.

Twitter ist keine Spielerei; wer gerne und oft twittert, lernt nebenbei das Handwerk der guten Journalistin und des guten Journalisten: In brutaler Kürze einen Sachverhalt korrekt und treffend darstellen. Twitter übt das, was sicher das Schwerste ist beim Medienmachen: Griffige, kluge, unerwartete, dabei aber immer treffende und möglichst witzige “Headlines” zu formulieren. Wer sich täglich mehrfach in nur 140 Zeichen ausdrückt, kann das irgendwann aus dem “Eff-Eff”.

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Dieses Eff-Eff ist leicht zu lernen. Man muss einfach alles weglassen, was unwichtig, unkonkret oder nicht eindeutig ist. Am einfachsten kann man leere Worthülsen und Wendungen weglassen wie:

im Rahmen von – meist reicht ein schlichtes bei.
in der Zeit von – hier reicht ein simples von.
aufgrund von – geht eleganter mit wegen.

Wie überall im Journalismus liegt in der Kürze die Würze.

Das liegt auch für die Wortwahl:  Räumlichkeiten etwa ist ein Wortungetüm, das nichts anderes meint als Räume. Statt Sanierungsmaßnahmen reicht Sanierung, statt Eingangsbereich reicht oft: Tür.

Man lacht gerne über Verwaltungsbegriffe wie Großvieheinheit, das bekanntlich schlicht Kuh meint. Auch Personenkraftwagen statt Auto, Lichtzeichenanlage statt Ampel oder – ganz schlimm! – Lichtbilder statt Dias. Je einfacher und “normaler” ein Begriff, desto unprätentiöser, “luftiger” und leserlicher wird der Text.

In Redaktionen kursieren ohnehin “schwarze Listen” mit Wörtern, Begriffen und Wendungen, die man vermeiden sollte. Jede Redaktion hat eine eigene Liste, weil nicht alles überall gleich verpönt ist. Beispielsweise vermeidet die FAZ Begriffe wie “der 15-Jährige” (stattdessen: der 15 Jahre alte”) oder “vor Ort”. “Vor Ort”, so die Erklärung (und zwar nicht nur der FAZ), sei eine falsche “Übersetzung” aus dem Kohlebergbau, wo es “vor Kohle” heißt. Besser also: direkt am Ort, am Ort des Geschehens sagen – auch, wenn der Satz dann dummerweise wieder länger wird.

Hashtags, RTs, @replies:
Um die 140 Zeichen-Grenze besser nutzen zu können und gleichzeitig mit seinen “Followern” in Kontakt bleiben zu können, hat Twitter einige Besonderheiten. Die erste, die auffällt, sind die #Hashtags – ein Begriff, der mit einem # anfängt. Diese Hashtags sind nichts anderes als Stichworte, die den einzelnen “Tweet” einem Thema zuordnen. Die Hashtags sind verlinkt, man findet alle aktuellen Tweets, die ebenfalls mit diesem Hashtag versehen sind, auf einer Suchliste. (Hier #Frankfurt). Der Hashtag wird auch gerne für Ironie verwendet. Also etwa: “Heute ist ein schöner Tag. #Unwetterwarnung”.

Das nächste, was auffällt, sind Replies. Dabei wird der Name von Twitter-Nutzern hinter ein @ geschrieben. Auf diese Weise kann man auf einzelne User antworten – die Antwort ist öffentlich zu sehen. Die Twitter-Kennung der Stadt Frankfurt am Main etwa ist @Stadt_FFM. Wer uns also auf einen Tweet antworten oder einfach eine öffentlich sichtbare Nachricht überbringen möchte, schreibt einfach @Stadt_FFM in seinen eigenen Tweet. Dieser landet dann bei uns in einer Art “Postfach”.

Nun kann man – wie bei E-Mails – nicht nur auf Tweets antworten, sondern sie auch weiterleiten. Dazu schreibt man RT vor die Userkennung, also etwa RT @Stadt_FFM – ReTweet. Das benötigt zusätzliche Zeichen und führt oft dazu, dass der Originaltweet gekürzt werden muss. Seit einigen Monaten hat Twitter daher eine elegantere ReTweet-Variante eingeführt, die ohne RT auskommt und den Originaltext weiterleitet. Wenn man aber einen Kommentar zusätzlich zum Tweet abgeben möchte, kommt man um den “manuellen” RT nicht herum.

Kurzlinks
Die eigentliche Stärke von Twitter ist, dass man Links auf einfache und effiziente Weise weiterempfehlen kann. Twitter ist ein Empfehlungsdienst. “Ich lese gerade xy” oder “Lest doch bitte mal das: xy” – damit kommt man als Twitternutzer auf Webseiten, auf die man sonst niemals surfen würde.  Es gibt derzeit wohl keine zielgenauere Methode, auf relevante Webseiten aufmerksam zu werden oder seinerseits aufmerksam zu machen. Menschen, deren Kompetenz ich anerkenne,  vertraue ich, wenn sie mir einen Link empfehlen – und klicke. Wenn ich den Link ebenfalls für empfehlenswert halte, leite ich ihn an meine Follower weiter – so entsteht eine Art “Lauffeuer” durch das Netz. Um möglichst wenig Zeichen für den Link zu verbrauchen, gibt es seit einigen Jahren Linkverkürzungsdienste wie http://tinyurl.com oder http://bit.ly. Bit.ly führt zudem Buch, wieviele Follower auf meine Links geklickt haben – wichtig für die Analyse und das Monitoring.

Twitter informiert und zieht auf die Website
Aus der modernen Öffentlichkeitsarbeit ist Twitter kaum mehr wegzudenken (auch, wenn es noch viel zu wenig genutzt wird!). Auf sehr einfache Weise kann man eine exakt definierte Zielgruppe – die eigenen Follower – informieren und über einen Kurzlink auf die eigene Website lotsen. Denn sein wir ehrlich: Wer klickt schon täglich mehrfach auf die eigene Seite und schaut nach, ob es dort etwas Neues gibt? Wohl kaum jemand. Und wer liest schon RSS-Feeds von Vereinen? Twitter sorgt für “Traffic” – wenn man sich ein wenig Mühe mit den Tweets gibt.

Über Harald Ille