Als Hinz und Kunz den Römer verkauften

Wie war das damals, an diesem Mittwoch, 11. März 1405? Wie kam es zu dem Kaufvertrag? Und hatte die Messestadt schon ein Rathaus, bevor Frankfurts Schultheiß sein Siegel unter den Kaufvertrag setzte?

Das Patrizierhaus „Zum Römer“ und das Nebengebäude „Zum Goldenen Schwan“ dienten dem Rat der Stadt schon länger als Tagungsort. Das alte Rathaus am Dom – das dort stand, wo heute der Domturm steht – war im 14. Jahrhundert längst zu klein geworden. Immer häufiger wich der Rat für seine Sitzungen in andere Häuser aus, ab 1329 nutzte er auch das Haus „Römer“ auf dem heutigen Römerberg.

Das Haus „Römer“ war groß und weitaus repräsentativer als das alte Rathaus, das zudem zusehends verfiel. Also tagte der Rat immer häufiger im „Römer“. Da das alte  Rathaus kein Schmuckstück war, wandte sich der Rat direkt an den Frankfurter Stadtherrn – und das war der Kaiser persönlich. Natürlich ging es dabei vor allem ums Geld, um ein Darlehen.

Am 20. Juni des Jahres 1329 erteilte Ludwig der Bayer der Stadt Frankfurt die Erlaubnis, „ein ander Rathuse“ zu errichten. Ein Neubau also sollte her, und Ludwig der Bayer erlaubte der Stadt ausdrücklich, dafür einen Kredit aufzunehmen. Das Geld, das in den Bau eines modernen, repräsentativen Rathauses gesteckt werden sollte, ging aber anderweitig drauf: Frankfurt reparierte damit seine 1306 eingestürzte Mainbrücke. Kein Geld, kein Neubau – bis das alte Rathaus um 1400 endgültig baufällig wurde. Schon wurden Mainsandsteine für einen Neubau aus Miltenberg herbeigeschafft und auf dem Römerberg gestapelt. Doch dann entschied der Rat anders. Das Haus „Römer“ und sein Nebengebäude taten doch schon seit Jahrzehnten gute Dienste – warum bauen, wenn man auch kaufen kann? Schultheiß Rudolf von Sachsenhausen nahm Verhandlungen mit der Besitzerfamilie des Römers auf.

Kunz zum Römer und sein Bruder Heinz, Hinz und Kunz also, nahmen das Angebot des Schultheißen an. An jenem Mittwoch im Jahre 1405 wurde der Vertrag unterzeichnet. Zusammen mit Gertrud, der Witwe Hensels vom Römer, verkauften sie die beiden Gebäude an die „ehrsamen, weisen Herren Bürgermeister, Schöffen, Rat und Bürger zu Frankfurt für 800 Gulden guter Frankfurter Währung baren Geldes“ sowie einer jährlichen Leibrente von 65 Gulden. Hinz und Kunz und Gertrud verkauften die beiden Häuser „mit allen Kellern, Höfen und Gesessen, hinten und vorne, unten und oben und was sonst dazugehört“.

Artikel aus der Sonderbeilage „600 Jahre Römer“ vom März 2005.

Author: Harald Ille

Früher einmal Social Media-Beauftragter der Stadt Frankfurt am Main, dann in der Unternehmenskommunikation des Heidelberger Universitätsklinikums. Jetzt freiberuflicher "Digital Enthusiast". Journalist, Historiker, Dozent. Schreibt noch auf http://die-sharepointberater.de, auf http://kommunezwonull.de und auf http://www.abcdesjournalismus.de.

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