Hiroyuki Okamoto wirbt für seine Stadt

Das japanische Yokohama betreibt ein Europabüro im Frankfurter Bankenviertel

Frankfurt am Main (pia) Hiroyuki Okamoto schaut auf die Welt von einem erhöhten Standpunkt aus. Frankfurt, Deutschland und Europa hat der Repräsentant der japanischen Millionenstadt Yokohama von seinem geräumigen Büro im 18. Stock des FBC-Towers im noblen Westend im Blick. Bankentürme stehen zum Greifen nahe vor ihm, die größte Anwaltskanzlei der Welt – Clifford Chance aus London – hat die Stockwerke darüber gemietet, und wenn er unten aus der Drehtür geht, steht er unmittelbar vor dem François-Mitterrandplatz. Europäischer geht es kaum, und urbaner auch nicht.

Standortfaktoren Flughafen und Biotech

Hiroyuki Okamoto und seine Mitarbeiterin Maria Deutsch werben für die Stadt an der Bucht von Tokio. „Wir möchten, dass sich mehr Unternehmen aus Frankfurt und Deutschland in Yokohama niederlassen – und umgekehrt auch japanische Firmen nach Frankfurt kommen.“ Seit 1997 unterhält die zweitgrößte Stadt Japans ein Büro in Frankfurt; der Flughafen, die Internationalität, vor allem aber die Entscheidung der Europäischen Zentralbank Ende der Neunziger Jahre, ihren Sitz am Main zu nehmen, hat die Japaner aus der Hafenstadt dazu bewogen, Quartier in der Bankenmetropole zu beziehen. Zuvor war Yokohama jahrzehntelang in Hamburg vertreten, doch Seehandel war Ende der Neunziger nicht mehr en vogue – Aktienhandel, Investments und ein leistungsfähiger Flughafen dagegen umso mehr. Heute sind es die Zukunftsthemen Biotechnologie und Klimaschutz, die Hiroyuki Okamoto an Frankfurt besonders schätzt.

Made in Germany ist beliebt

Der fernöstliche Inselstaat ist ein sehr guter Ort für Hightec – und deutsche Unternehmen sind dort bekannt für die hohe Qualität ihrer Produkte. Der Qualität wegen hat etwa ein führender deutscher Hersteller von Platin-Elementen für die chemische und Glasindustrie jüngst eine Niederlassung in der Nachbarstadt To-kios gegründet. „Das Unternehmen produziert explizit in Japan – und nicht in China, obwohl es dort auch Niederlassungen hat“, sagt Okamoto nicht ohne Stolz über seine jüngste Vermittlung. Ein führendes deutsches Unternehmen im Bereich Lasertechnologie hat sich ebenfalls frisch in Yokohama angesiedelt. „China ist natürlich ein viel größerer Markt, aber unter Qualitätsgesichtspunkten ist Japan ein ganz anderes Pflaster: Hier kann man weitaus besser forschen und entwickeln.“ Deutsche Unternehmen machen – nach amerikanischen – den Löwenanteil ausländischer Investoren in Yokohama aus. Die meisten Firmen betreuen von dort aus ihre Kunden in Japan. Sie produzieren dort oder nutzen das Verkaufsnetz für den Handel mit Ostasien. „Wir sind aber schon zufrieden, wenn Geschäftsbeziehungen entstehen zwischen Deutschland und Yokohama.“ Diese bahnen Maria Deutsch und ihr japanischer Chef auf Kongressen an wie etwa der Biotechnologie-Messe „BioEurope 2011“ Ende Oktober in Düsseldorf.

Werbung im Kimono

Auch auf Kulturveranstaltungen wirbt das Yokohama-Büro für Japan und die 3,7-Millionen-Einwohner-Stadt – am Japan-Tag und beim japanischen Filmfestival „Nippon Connection“ sowie in der „Cosplay Corner“ auf der diesjährigen Buchmesse. Cosplayer kostümieren sich wie eine Figur aus einem Manga-Comic oder Computerspiel: „Wir versuchen, Jugendliche vor allem über Popkultur für Japan zu interessieren. Es ist sehr wichtig, dass die jüngere Generation einen Austausch pflegt und später dann miteinander arbeitet.“ Auf der Frankfurter Japan-Week im November wird das Yokohama-Büro ebenfalls für Land, Leute und Wirtschaftsstandort werben. Maria Deutsch, die an der renommierten Tokioter Sophia-Universität studiert hat und schon als Teenagerin Japanisch gelernt hat, wird dabei ihrer Leidenschaft frönen – und sich in einen ihrer zwei Dutzend Kimonos einwickeln. Hiroyuki Okamoto sagt über seine Mitarbeiterin: „Sie ist der personifizierte Brückenschlag zwischen Deutschland und Japan, was gerade im Jahr des 150-jährigen Jubiläums der deutsch-japanischen Beziehungen sehr schön ist“.

Mit Kreativität in die Zukunft

Maria Deutsch stammt aus Ostdeutschland und hat sich bereits für Japan und seine Kultur interessiert, als es noch „klassenfeindliches kapitalistisches Ausland“ war. Umgekehrt hatte Hiroyuki Okamoto schon Anfang der Siebziger Jahre einen ganz speziellen Zugang zu Westdeutschland: über die Fußball-Heroen Franz Beckenbauer und Gerd Müller sowie über die Deutsche Bank. Zudem hat der Jurist im vergangenen Jahrzehnt an dem Zukunftsprojekt „Creative City Yokohama“ mitgearbeitet, das Bürgermeister Nakada Hiroshi zu Beginn des Jahrtausends initiiert hatte. Nachhaltigkeit, mehr Bürgerpartizipation und die Nutzung des kreativen Potentials der Bevölkerung waren wichtige Aspekte des Programms. Seitdem, so Okamoto, wandelt sich die Gesellschaft, wird moderner. Spätestens seit dem Erdbeben im März dieses Jahres ist sie im Umbruch: „Statt auf die Politik und die Verwaltung zu warten, packen die Japaner selbst an, bilden Netzwerke aus und investieren, ohne einen materiellen Gewinn zu erwarten.“

Die wohl wichtigste Verbindung

Seit diesem Herbst sind Frankfurt und Yokohama Partnerstädte, die zwar viele Gemeinsamkeiten haben – die wichtigste aber ist rund und grün und so ganz nach dem Herzen des Fußballfans im 18. Stock: In beiden Städten fanden die Endspiele von Fußball-Weltmeisterschaften statt (2002 und 2011). „Deutschland ist in Yokohama zwar nur Zweiter geworden, Japan in Frankfurt aber Weltmeister!“ Lieblingsverein des Fußballfans Okamoto ist „natürlich die Eintracht! Hoffentlich kommen sie schnell wieder in die erste Liga!“ Ein wichtiger Programmpunkt des Besuchs einer Delkegation von Stadtverordneten aus Yokohama zeitgleich mit der Japan-Week im November wird daher auch ein Fußballspiel sein, bei dem Politiker beider Städte gegeneinander antreten werden. Die Oberbürgermeisterin von Yokohama wird ebenfalls Anfang November Frankfurt besuchen und sich mit ihrer Amtskollegin treffen.

Harald Ille

Author: Harald Ille

Früher einmal Social Media-Beauftragter der Stadt Frankfurt am Main, dann in der Unternehmenskommunikation des Heidelberger Universitätsklinikums. Jetzt freiberuflicher "Digital Enthusiast". Journalist, Historiker, Dozent. Schreibt noch auf http://die-sharepointberater.de, auf http://kommunezwonull.de und auf http://www.abcdesjournalismus.de.

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