Konvolution o muerte!

In Frankfurts Kulturszene herrscht derzeit Konvolution! So erhält das Städel dankenswerterweise „ein Konvolut an Meisterwerken aus der renommierten Fotografiesammlung der DZ BANK“. Das Museum für Angewandte Kunst zeigt „ein umfangreiches Konvolut aus der Sammlung des Staatlichen Keramikmuseums Schloss Kuskowo in Moskau“, und das MMK hat „ein Konvolut von 80 Arbeiten von Miroslav Tichý“ erworben. Alle drei Konvolutionsmeldungen haben mich innerhalb von 24 Stunden erreicht! Fidel Castro ist zwar zurückgetreten, trotzdem muss man konstatieren: Die Konvolution ist in vollem Gange! Convolución o muerte!

Nun weiß ich nicht, ob der von allen drei Museen verwandte Begriff mittlerweile fachsprachlich akzeptiert ist. Mein alter „Wahrig“ definiert das Konvolut noch als „Bündel (von Schriftstücken od. Drucksachen); Sammelband, Sammelmappe“. Von Fotografien oder gar Kaffeetassen ist dort keine Rede. So definiert auch mein neuester DUDEN den Begriff, und Wikipedia kennt neben dem „Bündel von Schriftstücken oder Drucksachen“ noch „ein Bündel von schriftlichen Prüfungsleistungen oder auch ein umfangreicher Formularsatz für eine Prüfungsanmeldung“ sowie „bei einer Auktion einen Gegenstand oder eine Gruppe von Gegenständen, die gemeinsam versteigert werden sollen“.

Die Vokabel geht zurück auf das lateinische „convolvere“, also „zusammenrollen“. (Btw: Ich kann mir schlecht vorstellen, dass die Moskauer es gerne sähen, würde ihr Porzellan zusammengerollt – wäre es dann hinterher so wie zuvor? Und auch die Fotokunst der DZ Bank und Herrn Tichýs sollte lieber plan transportiert und ausgestellt werden – nicht zusammengerollt kommen die großartigen Werke weitaus besser zur Geltung…)

Und schon gar nicht passt die medizinische Bedeutung des Begriffes „Konvolut“ auf die Objekte Frankfurter Kunstgenusses: Da wird aus dem noch recht geordneten „Bündel“ ein chaotisch verknotetes „Knäuel“. Und zwar ganz tief drinnen…  „Convolución es muerte“ hieße es dann wohl…

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Author: Harald Ille

Früher einmal Social Media-Beauftragter der Stadt Frankfurt am Main, dann in der Unternehmenskommunikation des Heidelberger Universitätsklinikums. Jetzt freiberuflicher "Digital Enthusiast". Journalist, Historiker, Dozent. Schreibt noch auf http://die-sharepointberater.de, auf http://kommunezwonull.de und auf http://www.abcdesjournalismus.de.

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