Ungetümelei

„Small is beautiful“. In der Kürze liegt die Würze. Also: Fasse Dich kurz. Was immer man einem raten sollte, der sich einen Namen für seine Firma oder ein Produkt oder ein Projekt ausdenkt: Kurz und prägnant sollte dieser sein. Gell, das ist banal?

Im öffentlichen Bereich ist das ganz anders. Dort werden gerne Fusions-Kompromiss-Ausgleichsnamen erfunden. Wenn ein neu geschaffenes Institut, eine frisch fusionierte Behörde oder ein waghalsig zusammengewebtes Amt einen neuen, womöglich noch „sprechenden“ Namen bekommt, dann wird der laaaaaang. Das ist so. Und das ist nicht zu ändern – es sei denn, man (=ich) stutzt ihn selbsttätig auf Normalmaß.

Manche Bezeichnungen sind echt hinderlich in die Länge gezogen. Und kompliziert! Mit Abkürzungen und Abbreviationspunkten, Gedankenstrichen und Schrägstrichen, dass die Bude wackelt – manchmal in ein und demselben Namen. Kein Wunder, wenn sie kaum im Radio oder gar in der Tagesschau genannt werden – die Sprecher würden sich verschlucken.

Ein paar Beispiele aus meinem schönen Frankfurt:

  • Auf der Hollywood-Seite Mainhattans, also im Frankfurter Süden, gibt es ein Deutsches Filmmuseum und ein Deutsches Filminstitut. Beides ist nicht unbedingt das selbe, was allein schon die beiden eigenständigen Internet-Auftritte dokumentieren. Und trotzdem treten beide oft gemeinsam auf, weil sie vor ein paar Monaten fusioniert haben. Naheliegenderweise nennen sie sich „Deutsches Filminstitut – DIF / Deutsches Filmmuseum“. Wie dekliniere ich die beiden Begriffe vor und nach dem „Slash“? Beide, oder nur den ersten, oder nur den zweiten? 
  • Das größte Krankenhaus im Frankfurter Westen nennt sich „Städtische Kliniken Frankfurt a. M.-Höchst“. (Punkt, Punkt, Umlaut, Strich, fertig ist das Mondgesicht). Warum heißt das Krankenhaus nicht einfach wie jedes andere Krankenhaus auch? „Klinikum Höchst“ – und fertig? 
  • Ich mag sie ja gerne, meine lieben Kolleginnen und Kollegen von der „Kommunalen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Frankfurt am Main.“ Aber fehlerfrei aussprechen kann ich diesen Eigenbetrieb der Stadt spätestens nach einem Glas Bier nicht mehr (was wohl ein Test sein könnte).
  • Ganz einfach scheint es beim „Städel“ zu sein. Das ist das schöne Museum am Holbeinsteg, da wo der Goethe drinhängen tut. Schwierig wird es aber mit dem offiziellen Namen des Städel-Museums: „Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie“. Aber der Kultur ist das erlaubt, zudem haben die beiden Bestandteile außer ein paar Umlaut-Pünktchen keine sonstigen Satz- oder Trennungszeichen im Namen. Ist man ja nicht mehr gewöhnt heutzutage. 
  • Aber nicht nur städtische Einrichtungen greifen tief in die typografische Kiste. Auch die Eventagentur, die die „Nacht der Museen“ organisiert, hat für meinen Geschmack einen Tick zu dick aufgetragen. Ich diktiere den Namen mal: klein-k-Schrägstrich-klein-c-Schrägstrich-klein-e-Leerzeichen-groß-M-klein-arketing-hoch-3. Wow!

Raider heißt jetzt Twix„: Das waren noch Taufen damals…

Author: Harald Ille

Früher einmal Social Media-Beauftragter der Stadt Frankfurt am Main, dann in der Unternehmenskommunikation des Heidelberger Universitätsklinikums. Jetzt freiberuflicher "Digital Enthusiast". Journalist, Historiker, Dozent. Schreibt noch auf http://die-sharepointberater.de, auf http://kommunezwonull.de und auf http://www.abcdesjournalismus.de.

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