Die Einzelpersonen

Es ist endlich mal Zeit für eine kleine Reihe Aufklärung. Aufklärung über die Art, wie Verwaltungen denken. Und warum sie schreiben, wie sie denken. Ich fange mal mit der kleinsten Verwaltungseinheit an, die es gibt: die Person.

Eine Person ist für Verwaltungen etwas sehr Undefiniertes.  In der überragenden Zahl der Fälle tritt die Person nämlich alleine auf. Daher nennt die Verwaltung sie folgerichtig „Einzelperson“. Um sie von der so gut wie nie vorkommenden „Mehrfachperson“ zu unterscheiden.  Denn eine klare Definition ist immer besser als fürchterliche Verwirrung.

Manchmal gibt es aber eine Gruppe von Personen, die ihrerseits aber keine Personengruppe bildet. Um diesen misslichen Umstand adäquat sprachlich zu erfassen, greift der Verwaltungstexter gerne zum Summenbegriff der „Einzelpersonen“. Beispielsweise können sich dann „Einzelpersonen und Gruppen“ für Stipendien bewerben. Es gibt auch „Einzelbesucher“ im Museum oder „Einzeltäter“ vor Gericht.

Einzelne Menschen kommen dagegen im Verwaltungsdenken so gut wie nicht vor. Zumindest ist mir der Begriff des „Einzelmenschen“ nicht bekannt, auch von der latinisierten Variante einer „singularisierten Humaneinheit“ habe ich bislang glücklicherweise noch nicht gelesen. Kann ja noch kommen…

Author: Harald Ille

Früher einmal Social Media-Beauftragter der Stadt Frankfurt am Main, dann in der Unternehmenskommunikation des Heidelberger Universitätsklinikums. Jetzt freiberuflicher "Digital Enthusiast". Journalist, Historiker, Dozent. Schreibt noch auf http://die-sharepointberater.de, auf http://kommunezwonull.de und auf http://www.abcdesjournalismus.de.

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