Wenn kluge Köpfe denken…

Die FAZ mal wieder… Gestern meinte sie doch allen Ernstes, Frankfurts Wohnungen seien Schuhschachteln. Ein eigener Artikel auf der Sommerloch-Seite „Frankfurt in Zahlen“ war ihr diese widersinnige These wert. Unter dem schön irreführenden Titel „Wenig Platz zum Leben“ behauptete die Zeitung mit den klugen Köpfen, dass Frankfurt als einzige Stadt weit und breit seinen Bewohnern nur 27 Quadratmeter Wohnraum (im Durchschnitt) gönne. Alle anderen Städte hätten so zwischen 36 und 38 Quadratmeter, der Bundesdurchschnitt liege bei 41.

“Wenig Platz zum Leben”

Nun muss man als Redakteur(in) einmal kurz nachdenken. Kann es sein, dass sowohl der Bundesdurchschnitt als auch der Durchschnitt aller sieben großen Städte über 450.000 Einwohner (außer FFM) so ungefähr bei 40 Quadratmetern pro Person liegt, die Yuppie-Stadt Frankfurt mit ihren Villenwohnungen im Westend und ihren Lofts am Main aber nur bei 27? Kann ein solcher Ausreißer nach unten sinnvoll sein? Hmmm….

Überall in Frankfurt schießen derzeit Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser aus dem Boden. Reaktion auf die miserable Wohnungssituation – oder eher Indiz dafür, dass es stetig mehr Wohnraum gibt in der Stadt? Kurzes Abwägen bei den klugen Köpfen. Ergebnis: Im Zweifel gegen Frankfurt.

Frankfurt ist die Stadt der Singles. Über die Hälfte aller Wohnungen werden nur von einer einzigen Person bewohnt. Die meisten Wohnungen haben aber zwei bis drei Zimmer… Auch hier wieder: Hmmm …. Nachdenken heißt auf hessisch „simelieren“, oder so ähnlich. Also simulieren die klugen Köpfeeinen Einfall, wie sie das Dilemma gelöst bekommen: Wenn Frankfurt die Stadt der Singles und der Yuppies ist, dann, ja dann kann es natürlich nur so sein, dass diese hauptsächlich in kleinen 1-Zimmer-Appartements wohnen. Bzw. dort nur von Montag bis Freitag schlafen. Heureka!

Den klugen Kopf angestrengt und eine plausible Erklärung für die Zahl 27 gefunden! Schön, schnell ins Blatt damit.

Auch wenn’s reine Illusion und die 27 bei genauerer Betrachtung eine 37 ist. Ab morgen erhalte ich die neue Rundschau im Abo.

   

Author: Harald Ille

Früher einmal Social Media-Beauftragter der Stadt Frankfurt am Main, dann in der Unternehmenskommunikation des Heidelberger Universitätsklinikums. Jetzt freiberuflicher "Digital Enthusiast". Journalist, Historiker, Dozent. Schreibt noch auf http://die-sharepointberater.de, auf http://kommunezwonull.de und auf http://www.abcdesjournalismus.de.

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